EIN SCHIFFBRUCH VOR RØST

Als im April 1431 der venezianische Adelige und Kaufmann Pietro Querini von Kreta nach Flandern aufbrachte, ahnte er nicht, dass seine Reise als Ausgangspunkt für neue Handelsbeziehungen und freundschaftliche Verbindungen zweier Kulturen in die Geschichte eingehen wird. Insgesamt 68 Mann zählte die Besatzung dreier Schiffe, beladen mit Weinfässern und Gewürzen für den westeuropäischen Markt. Verfolgt von Unwetter und Unheil, gerieten die Schiffe anfangs November vor der französischen Westküste in einen gewaltigen Sturm und kamen vom Kurs ab. Mehr als einen Monat trieben die Seeleute hilflos im Nordatlantik, ohne Steuer und Takelage, während ein Sturm nach dem anderen raste. Am 17. Dezember sah die Mannschaft keinen anderen Ausweg als in die Rettungsboote zu gehen. Das kleinere mit 21 Mann ging unter. Das größere mit 47 Mann irrte in der Polarnacht wochenlang durch die eiskalte See. Viele Männer gingen an Hunger und Durst zugrunde, nicht wenige tranken ihren eigenen Urin, mit Zusatz von Ingwer und Zitrone, um den Geschmack zu lindern. Kurz nach Neujahr strandeten die 16 Überlebenden auf einer Klippe vor der Lofot-Insel Røst. Dem Wind und Schnee ausgesetzt, suchten sie Schutz in provisorischen, aus Segeln und Mäntel gebauten Zelten und ernährten sich von Muscheln. Nach fast einem Monat wurden sie von den Røst-Fischern aufgefunden. Es lebten nur noch 11 Mann. Sie wurden bei den Einheimischen untergebracht, versorgt und gesund gepflegt und verbrachten drei weitere Monate auf Røst.
Der Reisebericht, der Querini nach seiner Heimkehr verfasste und der als umfassendste Schilderung der Lebensbedingungen in Nord-Norwegen des 14. Jahrhunderts gilt, gibt einen Einblick in das Alltagsleben auf den Lofoten vor fast 600 Jahren. In erster Linie ist diese Beschreibung deutlich geprägt durch Respekt und Dankbarkeit für 120 Bewohner der kleinen Fischersiedlung – unschuldigen, gutherzigen Menschen, aus „dem ersten Kreis des Paradieses“:

„Die Bewohner dieser Inseln sind die makellosesten Menschen, die es gibt und sehen gut aus; das Gleiche gilt für Frauen. Sie sind so arglos, dass sie sich nicht darum kümmern, irgendetwas abzuriegeln, und haben auch keinen Verdacht auf ihre Frauen. Das merkten wir deutlich, denn in dem gleichen Raum, in dem der Mann und seine Frau und seine Töchter schliefen, schliefen wir auch. Und in unserem Beisein zogen sie sich nackt aus, wenn sie schlafen gingen“.

Ein weiterer Auszug aus dem Bericht bezeugt, welche wichtige Rolle die Fischerei bereits im 15. Jahrhundert in Nordnorwegen gespielt hat:
„ Sie fangen ungeheure Mengen Fisch, aber nur für den Verkauf. Und sie produzieren große Mengen von Stockfisch. Der wird getrocknet im Wind und Sonne, ohne Salz, und weil er keine Feuchtigkeit und kein Fett erhält, bleibt er trocken wie Holz. Wenn sie ihn essen wollen, zerschlagen sie ihn mit der Axt. Das ist ein großer und wichtiger Handelsartikel für diese nördliche Gegend. Auch Heilbutt fangen sie, der ist von einer riesigen Größe und wiegt über 200 Pfund. Sie teilen ihn, und schneiden ihn in die Stücke, und salzen ihn. Im Mai fahren sie fort in einem großen Boot beladen mit 50 Tonnen Fisch. Sie reisen bis zu einer Stadt Namens Bergen, in der 1000 Menschen wohnen. Schiffe aus Deutschland, England, Schottland und Preußen kommen dort an mit allen notwendigen Waren wie Speisen und Kleider“.

Mitte Mai 1432, als das Wetter besser wurde, machten sich Querini und seine Männer auf die Heimreise nach Italien.

Nach Haus zurückgekehrt, bekam der Kaufmann eine Audienz beim Papst, dem er lobend über die gastfreundliche Küstenbevölkerung im „ersten Kreis des Paradieses“ und dem luftgetrockneten Stockfisch berichtete. Der Heilige Vater war angeblich begeistert von der neuen Fastenspeise und so kam es, dass Italien zu dem größten Stockfisch-Importeur wurde, der bis heute über 80% der exportierten Menge abnimmt.

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