Lundehund - Lofotenhund

Der kleine, wie ein gewöhnlicher Strassenkötter daherkommende Lundehund aus Værøy ist ein Naturphänomen. Dass die Rasse trotz des dramatischen Schiksals überlebte, grenzt am Wunder.

Nur dem Glück verdanken wir, dass es ihn noch gibt, den Lundehund. Fast ausgestorben, stellt er eine Laune der Evolution dar. Verglichen mit archeologischen Ausgrabungen aus Varanger zeigt er die gleichen Eigenschaften wie der Steinzeitalter-Hund. Beide haben in jeder Kieferhälfte einen Backzahn weniger, als sonstige Hunde. Wissenschaftler vermuten daher, dass es sich bei dem Lundehund um einen Urhund handelt, der auf der äußersten Insel der Lofoten seit der letzten Eiszeit überlebt hat.

EIN SPEZIELLER ARBEITSHUND

Der nur 34 - 38 Zentimeter große, weiss-schwarz oder weiss-braun gefleckter Lundehund war ein Arbeitshund, speziell gehalten zum Fangen des Papageitauchers. Diese mit ihren roten, runden Schnäbeln und ebenfalls roten Schwimmfüssen bizarr aussehende Vögel bevölkern die oberen, für Menschen meist unzugänglichen Bereiche der Klippen von Røst und Værøy, wo sie in 2- bis 3 Meter langen Erdhöhlen brüten. Jahrhunderte lang waren sie eine lebensnotwendige Fleischquelle für die Inselbewöhner. Die Männer arbeiteten meistens auf der See, so blieb das Vogelfangen eine Frauen-, Jungen- und vor allem Hundesache. Der unglaublich geschmeidiger Lundehund war daher genauso viel wert wie eine Kuh oder ein Boot.

Um besser klettern zu können, bekam er von der Natur eine zusätzliche, sechste Zehe - alle andere Hunderasen haben fünf. Seine spitz abstehende Ohren kann er einfach nach vorn oder nach hinten einklappen, möglicherweise als Orientierungshilfe in den engen Brüttunneln.
Damit nicht genug, ist er imstande die Vorderbeine seitlich waagerecht vom Körper abzuspreizen; damit ihn diese beim Kriechen - denn kriechend holte er seine Beute aus den Erdhöhlen heraus – nicht behinderten. Eine einzigartige Rasse, mit der das Schicksal dennoch launisch spielte.

IN GEFAHR ZU VERSCHWINDEN

Die Zeiten haben sich geändert. Das traditionelle Fangen verlor an Bedeutung. Ende des 18-Jahrhunderts kam auf Røst das Fangnetz zum Einsatz. Immer mehr Hunde streunten verwildert herum, vergriffen sich an Schafen und wurden zu Plage. Als dann die Kommune noch eine Hundesteuer einführte, zeigte sich diese Lösung als effektiv genug. Acht Kronen pro Hund stellte einen erheblichen Betrag um die Jahrhundertwende da - und im Laufe weniger Jahre war Røst sein Hundeproblem los.

Nur noch in Måstad auf Værøy wurde die Rasse weiterhin in Ehren gehalten. In der durch eine imponierende, 400 Meter hohe Felsenwand von der Umgebung isolierten Ortschaft blieb das Vögelfangen nach wie vor ein unverzichtbarer Teil des Alltags und der Lundehund - trotz der Hundesteuer - ein notwendiges Arbeitsmittel. Aber auch in Måstad sollte er nicht sicher sein.
Im Jahre 1941 kam das erste grosse Drama. In dem Ort gab es niemals andere Hunde als nur Lundehunde. Sie blieben daher reinrassig und wurden keinen Krankheiten ausgesetzt. Der Krieg brachte das erste Mal einen fremden Hund nach Måstad - und mit ihm die Welpenpest. In dieser Zeit war Welpenpest eine unbekannte Krankheit. Bevor die Gemeinschft den Ausmaß der Bedrohung begriff, kam es zur Katastrophe. Nur eine einzige Hündin überlebte. Sie kriegte nie wieder Welpen.

Ein glücklicher Zufall wollte, dass wenige Jahre davor Eleanore Christie aus Hamar vier Måstadhunde in ihren Kennel aufgenommen hat. Mittlerweile war der kleine Stamm auf 60 Tiere gewachsen. Nach dem Krieg schickte sie insgesamt fünf Hunde nach Måstad zurück. Kurze Zeit danach brach die Welpenpest bei Christie in Hamar aus. Nur ein Hund überlebte.

Nun waren lediglich fünf Lundehunde in Måstad zurückgeblieben - von ihnen stammt heutzutage die gesamte Rasse. Aktuell werden in Norwegen ungefähr 500 Lundehunde registriert, in Schweden sind es 100, in Deutschland und Holland jeweils 50.
Ihre Überlebenschancen stehen gut. Ruhigen Gewissens können wir behaupten, es gäbe einen echten Lofothund. Leider haben wir unterwegs die weiss-schwarze Variante bereits verloren...

Zur Info: vom 6- bis 9. Juli findet auf Værøy Lundehund-Festival statt, mit Austellungen, Vorträgen und Hundetraining. Campingplätze sind vorhanden.

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