LOFOT-MENSCHEN:

Siebzig Jahre und von wegen Omas

Ganz Norwegen hat sie vor 11 Jahren zu ihren Lieblingen erkoren. Sie waren zwischen 55 und 75 Jahre alt, Kirsti Sommerseth, Anny Kristiansen, Ingrid Bjørkli und Gjertrud Hansen aus Storfjell, einem Ort mit insgesamt sechs Familien. Sogar aus dem Ausland kamen Kamerateams mit nach Storfjell, und genossen ein Hauch von Exotik, da der einzige Weg nur über Wasser führte. Eine Fähre verband den Ort mit der Welt. Strassen gab es nicht und niemand hat sie vermisst. Seit fast tausend Jahren war hier Fischerei eine Lebensgrundlage und Boote ein Arbeits- und Transportmittel. Aber die Zeiten änderten sich. Die Fischbestände gingen zurück, die Menschen verloren ihre Existenzgrundlage. Falls jemand eine Arbeit in Svolvær fand, kam er lediglich am Wochenende nach Haus; nach dem Feierabend gab es keine Bootsverbindung mehr. Dann zog er lieber gleich weg.

Nur eine Strasse konnte Storfjell vor dem Aussterben noch retten. Zwölf Jahre lang haben Anny, Gjertrud, Kirsti und Ingrid einem Verwaltungskrieg mit der Vågan Kommune geführt. Jedem ihrer Strassenbauanträge folgte schon fast vorprogrammiert eine Absage. Der Ort wäre zu klein, die Kosten zu hoch. Sie sollen aufgeben. Sie hätten ohnehin keine Chance. Sie gaben nicht auf. Noch heute erinnert sich Leonhardt, Kirstis Ehemann, an schlaflose Nächte, in den das Klappern der Schreibmaschine das ganze Haus füllte. "Kirsti arbeitete Nächte durch, füllte Formulare aus, schrieb unermüdlich Briefe an Parteien, an einzelne Politiker, an jeden, der an den Machträdern gedreht hat. Ich konnte kein Auge zumachen".

In November 1998 schoben die Frauen ihre Papierberge beiseite und fingen schlicht mit dem Straßenbau an. Sie rechneten mit allem, nur nicht mit dem was tatsächlich kam. Die Grundbesitzer haben ihre Grundstücke, durch die die Strasse führen sollte, kostenlos abgegeben. Baggerbesitzer aus der Nachbarschaft sind zur Hilfe angerollt. Nicht nur in benachbarten Orten, auch im Svolvær sammelte man Geld. Für Werkzeuge, auch für Dynamit, um die Berge zu sprengen. Das Fachgeschäft in Svolvær spendierte 100 Kg davon. Der damals 70-jahrige Roald Kristiansen wachte über die Dynamitbestände. "Wir hatten Angst, nicht vor einer Explosion, eher davor, verhaftet zu werden. Alle wussten, dass wir keine Erlaubnis für den Straßenbau hatten, für das Dynamit ganz zu schweigen".

Sie wurden nicht verhaftet. Stattdessen fällten sie Bäume, glätteten den steinigen Boden. Fast jeden morgen mussten sie ihren Arbeitsweg erst mal von dem Neuschnee freischaufeln. Eine Explosion gab es übrigens auch. Kirsti kichert:"Und, gleich nach dem Knall gab die Kommune nach. Wir haben das Dynamit kein zweites Mal mehr gebraucht".

Vier Jahre insgesamt dauerte der Straßenbau. Mit immer neuen Überraschungen. Die Storfjell-Bewohner rechneten fest mit der Fertigstellung bis zu Weihnachten und ließen die Fährenverbindung einstellen. Kaum wurde sie gestoppt, hielt der Winter mit Sturm und Schnee den Einzug. Die Arbeit musste unterbrochen werden, die Menschen blieben acht Monate lang von der Welt abgeschnitten. Ein andermal, als es von 7 Kilometern der Gesamtlänge nur noch 700 Meter bis zur Fertigstellung fehlten, stoppte die Kommune die Bauarbeiten. Wegen der finanziellen Engpässe, hieß es. Wer eine Strasse will, der solle bitte die Restkosten selber tragen. Dank dem Lachszucht-Unternehmen Pundslet Laks in Digermulen, das 700.000 Kronen spendierte, konnte das Projekt dann doch nach insgesamt 16 Jahren vollendet werden.

Inzwischen sind bereits 11 Jahre vergangen. Anny und Gjertrud leben nicht mehr. Hat sich die Mühe überhaupt gelohnt, wo heute nur noch 3 Menschen fest in Storfjell wohnen? Kirsti nickt sofort: "Auf jeden Fall. Wir fühlen uns endlich als Teil der Welt".

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