SEX UND FISCH IN DER CITY. DIE DREI TAGE DER MEGAPARTY.

Die VM i Skreifiske regiert nach ihren eigenen Regeln. Und macht möglich, was sonst im Verborgenen geschieht.

SVOLVÆR, die Hauptstadt der Lofoten. Viertausend Einheimische. Jedes Jahr im März, wenn der Winter das Nordland immer noch fest im Griff hat, wird es hier schon richtig heiß. Dann kommen an einem einzigen Wochenende mehr Besucher als die Stadt Einwohner hat. Der Anlass dafür: Fisch und Sex.

Seit 20 Jahren ist die Weltmeisterschaft im Kabeljauangeln, auf Norwegisch VM i Skreifiske, das Kultereignis des Nordnorwegens. Von Januar bis April wandert der arktische Kabeljau
zu Hunderttausenden von der Barentssee in die Gewässer der Lofoten, um dort zu laichen. Mit der international ausgerichteten Angelveranstaltung sollen Sportsangler und Besucher auch außerhalb der touristischen Sommersaison auf die Inseln gelockt werden.
Ein Volltreffer: Tausende feiern am letzten Märzwochenende im Hafen von Svolvær drei Tage und drei Nächte lang die wildeste Party des Nordens. Die VM i Skreifiske wurde längst zu einer Tradition für gesellschaftliches Zusammenkommen und zu verlockender Hintertür für unverbindlichen Sex.

Ausgerechnet der winzige Umfang des Hafens macht den besonderen Reiz aus.
Die Entfernung zwischen drei Pubs, die die Partymeile markieren, beträgt gerade 300 Meter. Dazwischen zwei Cafés und eine Bierhalle, in der bereits ab 15.00 Uhr die Angler mit
After-Fish-Party für ersten Stimmungsnachschub sorgen. Wo so viele Menschen so eng beieinander feiern, erhöhen sich wesentlich die Chancen jemandem zu begegnen, der die gleichen Absichten hat, wie man selbst: Sex. Es ginge ganz einfach, behauptet Stein,
ein Draufgänger und seit 20 Jahren dabei. Ein Profi erkenne auf den ersten Blick, ob eine Frau Lust auf Sex habe. Ist die Blickprüfung bestanden, lädt man die Frau zum Bier ein. „Nachdem wir das Bier ausgetrunken haben, sagte die Frau, sie wolle ins Hotel und duschen. Ich kam mit ihr. Als wir später in die Bierhalle zurückgekehrt sind, verschwand sie in der Menge und ich ging in ein Pub zu meinen Freunden. Sie hatten eine tolle Kollegin dabei...Irgendwann bin ich mit ihr nach Hause gefahren. Am nächsten Morgen musste ich früh raus. Ich habe sie nicht mehr gesehen. Für den Abend war ich mit einer Bekannten aus Sortland verabredet. Zuerst haben wir im Pub so richtig Party und später bei mir zu zweit bis in die Morgenstunden weitergefeiert. Die war richtig scharf… Später ist sie nach Sortland zurückgefahren und ich ging wieder in ein Pub. Die Weltmeisterschaft war zwar vorbei, aber mal gucken. Am Tag danach kommen manche einheimische Frauen in die Pubs, um nachzusehen, ob von der Party noch etwas übrig geblieben ist. Während der VM müssen viele von ihnen arbeiten. Ich habe noch nicht das erste Bier ausgetrunken, als eine Frau auf mich zukam, meine Haare berührte und sagte, die wolle sie in der Nacht haben“

Das eine ist, was Mann-Frau will, das andere, was Mann-Frau darf. Man kennt sich ja in der Stadt. Man ist verheiratet. Man hat eine Familie. Man will trotzdem seinen Spaß haben. Wie Geir und seine Freunde. Zum Glück gibt es da im Bekanntenkreis den alleinstehenden Hugo. Bereits im Januar beginnt Geir mit Partyvorbereitungen. Schickt per SMS Einladungen heraus. An Anne aus Harstad, Grete aus Trondheim, an die, wie hieß sie noch, Lena, nein, Lise von der Andøya und die Rothaarige aus Tromsø, die war richtig Spitze.
Die Party findet bei Hugo statt. Man kann doch einmal in Jahr ohne Frau in Ruhe alte Freunde treffen. Aus der Schulzeit und so. Ist schließlich VM i Skreifiske…

Diese regiert nach ihren eigenen Regeln, die Erotik und Angeln zusammenbringen.
Sie funktionieren möglicherweise nur in Verbindung mit norwegischer Direktheit.
Während die Deutschen um den heißen Brei herumreden oder die Polen sich in endlose Sexwitze verfangen, sind die Norweger längst bei der Sache. Hat man eine erotisch anziehende Frau erblickt, fragt man sie geradewegs nach Haill. Kommt ein „Nein“, gibt es trotzdem keinen Gesichtsverlust. Ein richtiger Kerl muss auch eine Absage verkraften können. Die Faustregel lautet: kein Haill, kein großer Fang. Und – Haill darf nicht zu frisch sein. Am besten ein bis zwei Tage vor dem Angeln. Aber Vorsicht! Sollte ein Ehemann nach außerehelichem Haill einen Heilbutt aus Meerestiefen herausholen (Kveitehaill), sehen die Chancen für sein weiteres Eheglück ziemlich düster aus. Besonderer Beliebtheit unter Einheimischen erfreuen sich kleine Stimmungsaufheller, die man sich gerne mit ahnungslosen ausländischen Besuchern gönnt. Hat man einen geeigneten Fremden gefunden, schickt man ihn, ein leerer Eimer in der Hand, zu Hotelrezeption mit der Empfehlung, den Eimer dort von der Empfangsdame voll mit frischem Haill füllen zu lassen. Spätestens wenn die Frau putenrot angelaufen ist und die Anglerkollegen sich krummlachen, macht sich der soeben zum Narren Erkorene schleunigst davon. Nun, man sage, in so manchem Fall hätte die eine oder andere einheimische Empfangsdame dann doch geholfen…

Unser Stein hat hauptsächlich in der Frauenklasse seine Trophäen geholt. In der Champion Class der Weltmeisterschaft reichte sein zweistelliger Platz für keine Auszeichnung aus. Jeder tut, was am besten er kann? Eine Ansichtsache. Die Lofotinger würden eher sagen, Haill war zu frisch.

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