LOFOTEN TOURIST EXTRA:

LOFOTEN WINTER

Kein Zweifel, die Lofoten sind fantastisch im Sommer. Unberührte Landschaften. Idyllische Fischerhütten. Weißsandige Strände. Mitternachtssonne, die den Archipel im farbigen Licht von einer woanders umsonst gesuchten Farbskala versinken lässt. Fjorde,
die in dieser Zeit von Fischen geradezu wimmeln. Trotzdem, immer mehr Besucher fühlen sich vom arktischen Winter angezogen. In dieser Jahreszeit ändert sich das Wetter sehr schnell; dieser Wechsel verursacht zauberhafte Lichtspiele, die über Jahrzehnte viele Künstler aus ganzer Welt inspiriert haben. Auch die Polarnacht schreckt keinesfalls Touristen ab. Im Gegenteil, der Ruf eines exotischen Abenteuers lockt in die nördlichsten Gebiete Europas mehr und mehr nach unvergesslichen Erlebnissen suchende Unternehmungslustige.
Die Polarnacht auf den Lofoten dauert vom 6. Dezember bis zum 7. Januar. Vier Wochen lang lässt sich die Sonne nun nicht mehr blicken. Dafür schickt sie das so genannte Blaue Licht, welch die arktische Landschaft in Farbtönen zwischen violett und blau schimmern lässt, die einen sofort zur Fotokamera oder zur Malpalette greifen lassen. Nach nur drei Stunden verabschiedet sich das Tageslicht bereits und die hereinbrechende Dunkelheit versetzt Besucher aus aller Herren Länder in Stimmung des ungeduldigen Erwartens.
Denn die Nacht bringt, was selbst unromantisch veranlagte Naturen entzücken lässt: Aurora Borealis.

Auch Morgenröte des Nordens, Nordlicht oder Polarlicht genannt, ist es eines der faszinierendsten Naturphänomene, das die Menschheit kennt. Auf den Lofoten am häufigsten kann man es während kalter Nächte zwischen Oktober und März beobachten. Das Polarlicht erscheint offenbar aus dem Nichts, beginnt als leichtes Glühen grünlichen Lichts und bereitet nach und nach Bögen, Bänder und Schleifen in grünen, blauen, roten und violetten Farbtönen aus, die sich tanzend und wehend über das Firmament spannen. Durch Jahrhunderte beflügelten sie Fantasie der Menschen, gleichzeitig füllten sie sie mit Ehrfurcht.

Die skandinavischen Fischer glaubten, Polarlichter wären Lichtreflexe von Fischschwärmen am Himmel. Die Wikinger deutenden sie als Spiegelung eines großen Kampfes. Irgendwo in der Welt wurde eine Schlacht geschlagen. Walküren, die Schlachtjungfer, ritten über den Himmel und wählten aus gefallenen Helden die besten aus, die am Odins Tafel Platz nehmen durften. Das Mondlicht brach auf Rüstungen der reitenden Jungfer und wurde zum Nordlicht.

Die kanadischen Indianer glaubten, Polarlicht wäre der Große Geist, der auf diese Weise seinen Stämmen zeige, dass er sie beschütze. Die Ureinwohner Skandinaviens, die Samen fürchteten sich vor dem Nordlicht, weil sich glaubten durch Polarlichter würden sich ihre Toten zeigen. So verharrten sie schweigend und warteten, bis sich die Geister wieder zur Ruhe gelegt haben. Sie nannten es „Guovssoha“, „Licht, das man hört“.

Tatsächlich verursachen Polarlichter Geräusche, die jedoch so hoch in der Atmosphäre entstehen, dass man sie nur selten hören kann. Viele Nordlicht Beobachter gaben an, in sehr ruhigen Nächten Zischen, Rascheln und Knacken zu hören.
Auf der Lofoten Insel Austvågøy, in Laukvik, entstand vor drei Jahren das Polarlightcenter. Im Winter finden dort statt wissenschaftliche Vorträge begleitet mit atemberaubenden Bildern von Aurora Borealis; anschließend kann man sich - falls die Wetterbedingungen mitspielen – auf eine Nordlicht-Beobachtungstour begeben. Im Sommer ist das Polarlicht zwar nicht mehr sichtbar, trotzdem - allein wegen der hochinformativen Lesungen und der Bildershow lohnt ein Besuch allemal.
Frieren muß man bei dem unvergesslichen Naturschauspiel auch nicht. Dank des erwärmenden Einflusses des Golfstroms sind die Temperaturen im Durchschnitt um 20° C höher als anderswo auf gleicher geografischer Breite. Die warmen Wassermassen aus Golf von Mexico werden in den Nordatlantik transportiert und von dort aus gelangen sie mit dem norwegischen Strom in nördliche Breiten. So liegen im Winter die Temperaturen je nach Insel zwischen minus 3°C und minus 6°C.
Eine andere Winterattraktion von geradezu magischer Anziehungskraft stellen Orca-Safaris dar. Jedes Jahr im Herbst kommt der arktische Hering nach Tysfjord und in den Vestfjord, um zu laichen – und mit ihm Schwertwale, auch Orcas oder Killerwale genannt. Diese hochintelligenten Tiere aus der Familie der Delfine zählen zu den Zahnwalen; was bedeutet, dass sie keine Pflanzenfresser, sondern Raubtiere sind. Killer im Sinne von Mördern sind sie deshalb noch lange nicht.

Grundsätzlich gibt es drei abgesonderte Spezies von Orcas: Resident, Transient und Offshore. Die Hauptfaktoren, die sie voneinander trennen, sind soziales Verhalten, physische Erscheinung, bevorzugte Nahrung und stimmliche Dialekte. Obwohl sich der Lebensraum dieser drei Spezies zum Teil überschneidet, scheinen sie sich nicht zu vermischen. Resident Orcas essen fast ausschließlich Fisch (Lachs, Hering); Transient dagegen ernähren sich von Meeressäugern (Robben, Seelöwen, Delfinen und anderen Walarten). Über die Offshore ist wenig bekannt, da sie nur selten in Küstengewässern gesehen werden. Die vor norwegischer Küste anzutreffende Orcas gehören zu der Resident-Art. Sie leben mit 6- bis 15 Tieren in matriarchalisch geführten Gruppen, so genannten Schulen, die aus der ältesten Orca und ihr Nachkommen bestehen. Die Jungen bleiben ihr ganzes Leben lang in der Familie, auch die Männchen. Jede Familie von ansässigen Orcas hat ihren eigenen Dialekt, dessen Ähnlichkeiten als Erkennungszeichen der Verwandtschaft zwischen den Gruppen dienen. Männliche Orcas werden bis zu 8 Meter lang und 9 Tonnen schwer, die Weibchen sind mit 6 Metern und 5,5 Tonnen wesentlich kleiner. Schwertwale erreichen eine Schwimm-geschwindigkeit bis zu 55 km/h; damit sind sie die schnellsten bekannten Meeressäugertiere. Die weiblichen Orcas können 80 Jahre, die männlichen 50 Jahre alt werden.

Schwertwale sind bekannt für ihre ausgeklügelten Jagdstrategien. Je nach Beute entwickeln sie unterschiedliches Jagdverfahren. Dabei koordinieren sie ihre Arbeit oft in Gruppen von mehreren Tieren zusammen. Eine internationale Forschergruppe von Orca Research Trust im neuseeländischen Tutukaka berichtet im Journal "Marine Mammals" von Schwertwalen, die im Meer auf Eisschollen liegende Robben gezielt von dem Eis spülen. Zunächst umkreist eine Gruppe der Wale eine Weile die Eisscholle. Später verschwinden die Tiere unter Wasser, um nach kurzer Zeit in einer Reihe nebeneinander und dicht unter der Wasseroberfläche auf die Eisscholle zuschwimmen. Auf die Weise erzeugen sie gezielt eine Welle, die über die Eisscholle schwappt und die Robbe ins Wasser spült. (¹).
Obwohl das Jagdverhalten der Orcas der Natur der Raubtiere entspricht, wurden sie immer wieder als blutrünstige Bestien dargestellt. In Anweisungen für Taucher der American Navy aus dem Jahr 1973 wurde gewarnt, Orcas seien außergewöhnlich wild und würden Menschen bei geringsten Gelegenheit angreifen. Anders die Ureinwohner Amerikas. Die Indianer an amerikanischer Westküste pflegten eine respektvolle Beziehung zu den Walen. Ihre von Mund zu Mund weitergereichten Erzählungen zeigen, dass zahlreiche Küstenstämme die Orcas in Ehren gehalten haben. Einige Stämme praktizierten zwar Jagt auf verschiedene Wal- und Delfinarten, die Schwertwale aber wurden nicht gefangen. Viele der Stämme glaubten, dass das Verletzten oder gar die Tötung eines Orcas den Menschen Unheil bringen würde. Eine Überlieferung berichtet auch von ritueller Mutprobe für junge Männer, die daraus bestand mit Kanus unbemerkt an eine Gruppe rastender Orcas heranzukommen, um über ihre Rücken zu laufen, bevor die Tiere Zeit hatten zu tauchen. (²)
Allerdings ist nicht ein einziger Fall eines Angriffs auf Menschen durch frei lebende Orcas dokumentiert.

Im Oktober beginnt auf den Lofoten die bis Mitte Februar anhaltende Hochsaison für Orca-Safaris. Mehrmals wöchentlich fahren von Svolvær und Kabelvåg Boote aufs Meer hinaus. Man kann die Schwertwale von großem Passagierboot aus beobachten oder in ein Schlauchboot umsteigen mit der Chance, die faszinierenden Tiere aus der Nähe noch intensiver zu erleben. Adrenalin-Junkies bekommen sogar die einmalige Gelegenheit mit den Orcas zusammen zu schnorcheln. Sie sind neugierige Wesen. Man soll also nicht überrascht sein, wenn man plötzlich selbst zum Beobachtungsobjekt aus der Nähe wird...
Winter ist auch eine Zeit, in der der Besucher das harte und ursprüngliche Leben in vielen Fischerdörfern hautnah erleben kann. Vom Februar bis Ende April ist der Archipel sehr lebhaft. Der arktische Kabeljau schwimmt von Barentssee zu Laichplätzen in den Gewässern der Lofoten und Berufsfischer aus dem gesamten Küstengebiet Norwegens eintreffen, um sich ihren Teil an dem „schwimmenden Gold“ zu sichern. Jetzt begegnet man einem Leben jenseits der touristischen Saison. In den winzigen Häfen wimmert es geradezu von bunten Fischerbooten und Kuttern. Wer möchte, kann selbst als Tourist für einen Tag Fischer werden, mit Einheimischen zu Fischgründen hinausfahren und sein Glück beim Fischen versuchen. Die pyramidenähnlichen Trockengestelle, hjell, füllen sich schnell mit dem zum Trocknen aufgehängten Kabeljau. Nach zwölfwöchiger Konservierung durch Wind und Sonne tritt er seine Reise nach Südeuropa und Brasilien als berühmter Stockfisch ein. Ein für diese Jahreszeit typischer Fischgeruch legt sich über den gesamten Archipel. In jeder Kneipe wird zu Ehren des Kabeljau ein lokales, genussvolles Kabeljaugericht serviert, Geschichten über das Meer erzählt, lokale Lieder gesungen.

Mit einem Highlight verabschiedet sich der Lofoten-Winter. Am letzten Märzwochenende, wenn die Sonnenstrahlen schon spürbar wärmer werden und eine Frühlingsstimmung in der Luft liegt, wird es Zeit für Weltmeisterschaft im Kabeljauangeln. Neben den Profis können auch Touristen teilnehmen in einem weltweit einmaligen Ereignis, das für die Norweger längst ein Kult ist. Die Atmosphäre des Wettbewerbs erleben, sich von der Aufregung mitreißen lassen, nach dem Angeln auf der wildesten Party des Nordens mitfeiern und auf den nächsten Winter anstoßen. Dieser kommt bestimmt. Schön!

(¹) Orcas auf Robbenjagd - Ausgeliefert auf der Eisscholle, Stern.de, Artikel vom 17. Dezember 2007
(²) John Stenersen, Tiu Similä, Norwegian Killer Wales, 2004.

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